Text von Alexander Langkalz

Brigitte Schmitz – Farbwelten

Ihr künstlerisches Leben ist ein informelles Fest der Farbe. Eine Auswahl aktueller Bilder zeigt die Künstlerin in der aktuellen Ausstellung.

„Farbe ist mein Leben. Darin könnte ich baden.“ Das antwortet Brigitte Schmitz auf die Frage der Bedeutung, die Farbe für sie besitzt. Und genau das spiegeln ihre Bilder, in denen es allein um das eine geht – um Farbe. Einen Querschnitt aktueller Arbeiten präsentiert die in Schortens lebende und seit 1999 freischaffende Künstlerin unter dem Titel Farbwelten im April in der Sezession Nordwest.

In ihren ungegenständlichen Bildern gibt es kaum formale Vorgaben oder Themen, die etwa erinnernd an Vorstellungen oder an bekannte Darstellungen umgesetzt werden sollen. Über die gesamte Bildfläche erstreckt sich Farbe, oder besser, die gesamte Bildfläche ist Farbe. Als habe sie sich selbst, quasi aus einer Art eigenen Ordnung, des Bildgrundes bemächtigt, spielt sie nicht nur Haupt-, sondern zugleich auch alle Nebenrollen. Doch nirgends führt die Freiheit für die Farbe ins Chaos, sondern stets zu ausgewogenen Farbharmonien. Hier offenbart sich der künstlerische Gehalt der Bilder.

In einer aufwendigen Prozedur teils unzähliger Übermalungen wird Farbschicht um Farbschicht aufgetragen; aus einem ungefähren Gefühl heraus gewinnt das Bild erst allmählich Gestalt. Der Malprozess verläuft sehr unterschiedlich lang(wierig). Einige Bilder entstehen innerhalb von Stunden; andere werden über Tage und Wochen mit Unterbrechungen und Phasen der „Überprüfung“ wiederholt korrigiert, verändert oder sogar „neu“ begonnen. Mit der anschaulichen Entwicklung verändert sich auch die Bildoberfläche und wird zu einem haptischen Erlebnis. Wie Leder, glatt und stark, fühlen sich die übereinanderliegenden Farbschichten an. Und ebenso scheinen Farbe, Bild und Oberfläche zu einer Art Haut verwachsen zu sein.

Die Bilder besitzen eine große Offenheit für individuelle Interpretationen, oder besser: Einfühlungen. Nicht die rationale, die emotionale Begegnung mit den farbgewaltigen Arbeiten weckt im Betrachter Stimmungen, die sich wiederum individuell ganz unterschiedlich mit Erinnerungen und Vorstellungen aus seinem Inneren verbinden. Überindividuell verbindlich sind allein grobe Richtungen, angelegt etwa durch unterschiedliche farbliche Hauptgewichte, Farbkontraste, Farbakkorde oder durch kompositionelle Strukturen von Farbüberlagerungen.

Zwar sind sämtliche Arbeiten betitelt, doch spielen diese inhaltlichen Angaben eine untergeordnete Rolle. Sie bieten allenfalls eine Orientierungshilfe. Wie etwa bei STREITbar von 2008. Auslöser dieses Bildes war eine weit zurückliegende Geschichte von zwei zutiefst miteinander zerstrittenen Familien. Das Bild selbst vermittelt allenfalls eine vage Ahnung dieses Geschehens. Wie ein verunklärender Schleier der Zeit scheint sich vielmehr ein miteinander versöhnliches Blau über die Bildfläche gelegt zu haben und lässt zwei hellere Partien links und rechts bestenfalls als zwei nebulöse Grabsteine vermuten.

Die Farbwelten von Brigitte Schmitz, die bis zum 29. April im SCHAUfenster für aktuelle und regionale Kunst ausgestellt sind, stehen in einem spannenden Gegensatz zu den im März gezeigten Kunstwerken von Sylvia Lüdtke. Beide Künstlerinnen arbeiten auf dem weiten Feld der abstrakten Kunst, doch das an zwei entgegengesetzten Polen: der Farbe einerseits und der Linie andererseits.

Text von Alexander Langkalz

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